Stirbt der Wald, kommt niemand mehr auf einen grünen Zweig: Netzstreik fürs Klima!

Bad Königshofen im Grabfeld, Freitag, 24.04.2020:

Ich bin dieser Tage fast den ganzen Tag im Wald. Nicht, weil ich zu den unzähligen spazierfreudigen Menschen gehöre, die derzeit die Wälder durchstreifen, um dem Home Office einen Augenblick lang zu entkommen. Nein: zum Studium der Forstwirtschaft gehört ein dreimonatiges Praktikum im Forstbetrieb, das ich ans Ende meines Bachelor-Studiums gelegt habe, weil ich während meiner Amtszeit im Bundesvorstand der Grünen Jugend nicht die Möglichkeit hatte, drei Monate
lang jeden Tag im Wald zu verbringen. Nun scheint aber die perfekte Zeit: während alle zu Hause sitzen, darf ich raus und den Wald durchforsten, den Waldumbau hin zum vielfältigen Mischwald in die Tat umsetzen und die Pflanzung Hunderttausender Bäume mit den Pflanzunternehmen in die Wege leiten. Wenn da neben der Coronakrise nicht noch die Klimakrise wäre. Die Trockenheit lähmt den Wald. Zu einer Zeit, in der die Pflanzen voll im Saft stehen sollten, sind die Wasservorräte, die sich über den Winter hätten füllen sollen, nach 2 Dürrejahren nun im 3. Jahr trocken. Läuft man unter Fichten hindurch, läuft man durch einen Teppich aus grünen Nadeln, die die Fichten jetzt abwerfen – weil es ihnen zu trocken ist. Ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer. Und nun? Waldumbau! Und wie? Laubbäume pflanzen, mit der Douglasie arbeiten, neue Baumarten ausprobieren, vielleicht etwas mehr Edellaubholz und natürlich ganz viel Buche. Es ist richtig und wichtig, dass die Bayerische Staatsregierung umfassende Förderprogramme in die Wege geleitet hat, die kommunalen und privaten Waldbesitzer*innen seit dem 1. März diesen Jahres das dreifache der bisher ausgezahlten Fördergelder für Pflanzungen im Wald auf den Tisch legen. Aber wenn Dir dann einer der wenigen Kleinprivatwaldbesitzer, die ihren Wald aktiv bewirtschaften und umbauen, erzählt, dass die Buchen, die er letztes Jahr gepflanzt hat, zu 70 Prozent ausgefallen sind, obwohl er jede Woche seinen Wald mit großen Gülletankwägen bewässert hat, kann es passieren, dass man irgendwann vom Glauben abfällt, dass diese Krise noch aufzuhalten ist – die Zeit rennt uns davon. Trotz Corona müssen wir jetzt mit ganzer Kraft umfassenden Klimaschutz voranbringen. #FightEveryCrisis

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